Gedenken an Aamir Ageeb am 28.5.2000 in München
Pfarrer G. Niggl, katholische
Hochschulgemeinde der KSFH München
Gedenken
an Aamir Ageeb am 28.5.2000 in München
Wir haben vom Schicksal
eines Menschen gehört,
unnötig kam er in unserem Land zu Tode.
Wir laden Sie ein, noch
einmal zurückzugehen bis zu jenem unseligen Tag,
an dem sein junges Leben erlosch.
Wir laden Sie ein, am Tod von Aamir Ageeb Anteil zu nehmen.
Wir laden Sie ein, mit uns zu trauern.
Wir bitten Sie, nicht zu
denken: "Das war keiner von uns!"
Wir bitten Sie, auf den Gedanken "Was geht mich ein Sudanese an?" zu verzichten.
Wir alle lieben das Leben
und
kennen die Angst vor dem Tod.
Was es allerdings bedeutet, unmittelbar einem unmenschlichen,
grausamen Tod ins Auge zu schauen, das wissen wir nicht.
Wer schon in den Augen eines bedrohten Menschen gelesen hat,
wer schon die flackernde Angst in den Augen eines dem Tode
Ausgelieferten gesehen hat, der mag es ein Stück weit erahnen.
Wir bitte Sie, in die Trauer
um Aamir Ageeb einzutreten,
in die spontane, heftige Reaktion, die sich einstellt wo Leben beschädigt oder
zerstört wird,
in die Trauer um unnötig zerstörtes, junges Leben,
in die Trauer, die uns wachhält, die uns entschiedener sein läßt,
in die Trauer, die uns vor der Abstumpfung unserer Sensibilität bewahrt.
Wir bitte Sie mit uns zu
trauern.
Nicht ein zweites Mal soll Aamir Ageeb dem Tod ausgeliefert werden,
nicht ausgeliefert werden dem Tod durch Vergessen oder Verdrängen.
Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt.
Der hilft mit, das Gespür für Würde und Kostbarkeit menschlichen Lebens
zu erhalten und weiteres Töten zu verhindern.
Wo immer wir stehen - nach Glaube und Weltanschauung:
Uns allen ist der leidenschaftliche Impuls ans Herz gelegt:
Du wirst Deinen Nächsten achten - wer immer es sei -,
denn er ist Mensch wie Du!